Der Riss im Estrich
Gefahr von Rissbildung kann nie zur Gänze verhindert, jedoch verringert werden!
Flächenhafte Bauteile, Betonplatten, Estriche und Industrieböden unterliegen schon während ihrer Herstellung und in der Austrocknungsphase Beanspruchungen, die bei der Planung, Baudurchführung und zum Übergabezeitpunkt berücksichtigt werden müssen.
Zum Zeitpunkt der Erhärtung von Beton und Estrich können Risse entstehen, indem durch äußere Einflüsse hervorgerufene Zugspannungen, die gerade vorhandene Zugfestigkeit des Baukörpers stören. Diese Einflüsse sind meistens Eigenspannungen, gezwängte Einspannungen oder frühzeitige Belastungen.
Die praktische Erfahrung zeigt, dass trotz mehrer Vorkehrungen und Einhaltung der geltenden Bauregeln in flächenhaften Bauteilen Risse oft auftreten. Es kann nicht vom Abweichen vom „Stand der Technik“ gesprochen werden.
Ursachen der Rissbildung
Zugspannungen entstehen durch: Schwinden (Austrocknung), unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte in der Fläche, Temperaturdifferenzen im hergestellten Raum, temperaturbedingte Längenänderungen (Sonneneinstrahlung, Zugluft) und frühzeitige Belastungen (Baustofflagerungen, Gerüste, Leitern). Eine Anhäufung von Rissen entstehen durch das Zusammenwirken mehrer der vorgenannten Ursachen.
Erhöhung der Rissgefahr durch besonderen Materialeinsatz
Durch die Anhebung der Betongüte erhöht sich das Schwindmaß (größeres Volumen des Zementleimes). Bei Verringerung der Gesteinsgröße des Zuschlagstoffes, etwa wegen Sichtbeton, schlanke Bauteile oder längere Betonpumpstrecken, wird die Neigung der Rissbildung durch die Feinsandanteile vergrößert. Ein wesentlicher Faktor ist die Wasserzugabe und somit der Wasser-Bindemittel-Wert. Dieser setzt sich aus Eigenfeuchte des Zuschlagstoffes und der Wasserzugabemenge zusammen. Wasser ist für die Hydratation des Zementes verantwortlich, Überschusswasser beeinflusst das Trocknungsschwinden.
RISSARTEN – ERSCHEINUNG UND BEHEBUNG
Haarrisse
Haarrisse werden auch Krakeleerisse genannt und gleichen einem maschenartigen Netz nur an der Oberfläche. Sie entstehen zumeist nach den ersten Stunden durch zu rasches Austrocknen aufgrund von kurzfristigem höheren Temperatureinfluss oder Zugluft. Diese Risse begründen keinen technischen Mangel und erfordern keine Behebung, da sie die Tragfähigkeit und die Gebrauchstauglichkeit nicht beeinträchtigen.
Netzrisse
Sie treten gegenüber Haarrissen mit größeren Maschenweiten auf, die sich eventuell weiter vergrößern. Sie öffnen sich V-förmig nach oben und können auch durchgehend auf Plattenstärke sein. Die Entstehung ist oft auf eine frühzeitige Inanspruchnahme durch Lagerung oder Belastung zurückzuführen. Eine Behebung ist nach Prüfung auf seine Gebrauchstauglichkeit durch kraftschlüssiges Verdübeln nach Endaustrocknung des Estrichs möglich.
Trennrisse
Diese Risse zeichnen sich durch ihren geradlinigen Verlauf ab. Sie teilen etwaige Bauteile oder nicht zusammenhängende Flächen im Untergrund. Im Verlauf der Austrocknung erweitern sich die Risse. In diesem Fall ist eine Behebung oft nur durch eine dauernde Fugenausbildung möglich. Ein technischer Mangel liegt bei einer Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit nicht vor.
SCHLUSSFOLGERUNG
Bei der Planung ist auf die Einflüsse während der Trocknungsphase zu achten. Fugeneinteilungen sind auf die entsprechenden Raumfigurationen abzustimmen. Weiters ist der Bauablauf und somit die Bauzeit auf die einzuplanenden Schutzzeiten auszulegen.
Die Gefahr von Rissbildung kann durch Einhaltung vorgenannter Punkte nicht verhindert, jedoch verringert werden. Das optische Erscheinungsbild wird beeinträchtigt bleiben.
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